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Die historische europäische Fechtkunst ist der Versuch die Fechtkunst unserer Vorfahren durch das Studium und die Interpretation historischer Fechtbücher und Anleitungen zu rekonstruieren.
In den Bereichen in denen uns keine Fechtbücher überliefert sind, greifen wir auf zeitgenössische Beschreibungen, Darstellungen und das praktische Experiment mit rekonstruierten Waffen zurück.
Auch wenn wir sicher sein können, das die Fechtkunst bereits im antiken Griechenland und im Römischen Reich praktiziert wurde, gibt es weder für diese Fechtkünste, noch für die Fechtweise mit Waffen und Schilden des Früh- und Hochmittelalters eine überlieferte Fechtquelle.
Erst mit dem Manuskript I.33, eines deutschen Mönches um 1300. in dem das Fechten ohne Rüstung mit dem einhändigen Schwert und kleinem Buckelschild beschrieben ist, wird die damalige Fechtkunst für uns greifbar.

Dieses Manuskript lehrt bereits wie die Selbstverteidigung mit der Waffe als Kampfkunst gegen das rohe, instinktive Kämpfen eines nicht ausgebildeten Angreifers.
Zum Ende des 1400 ist uns die Fechtkunst des Johannes Liechtenauer durch Fechtbücher seiner Schüler überliefert, die sich hauptsächlich mit dem zweihändig geführten Langen Schwert ohne Rüstung befasst, aber auch das Kriegsringen, Harnischfechten, Rossfechten und weitere Waffen, wie Dolch Stab und Langes Messer behandelt.

Im 15. Jahrhundert folgen weitere Fechtbücher in der Tradition Lichtenauers, aber auch anderer Fechtmeister wie die italienische Tradition die wir durch Fiore dei Liberi kennen.

In den Fechtbüchern des 16. Jahrhunderts verliert das Lange Schwert langsam an Bedeutung und wird durch das schlanke einhändige Schwert allein oder mit diversen Beiwaffen als Kriegs- und Duellwaffe abgelöst.
Seinen Ursprung hat diese Fechtkunst in den Kriegen der italienischen Renaissance und verbreitet sich von dort aus über ganz Europa.
Nur in Deutschland erhält sich parallel dazu weiterhin die "Fechtschule", eine bürgerliche, sportliche Variante der früheren Ritterturniere. Hier wird weiter in der Tradition Lichtenauers gefochten, doch werden, unter Anderem, anstelle des Langen Schwertes die Fechtfeder und anstelle des Langen Messers der hölzerne oder lederne Dussack, als Übungs- und Wettkampfwaffen eingesetzt.
Da die Fechtkunst in der Renaissance neben dem Kriegshandwerk mehr und mehr Bedeutung für das Duell unter Edlen und Bürgern gewinnt, entwickelt sich aus dem schlanken Fechtschwert das auf den Stoß optimierte Rapier.

Die Fechtbücher zum Rapierfechten des 17. Jahrhunderts stützen sich, im Gegensatz zu den Erfahrungswerten früherer Fechtmeister, vermehrt auf die wissenschaftlichen Errungenschaften ihrer Epoche.
Die regionalen und nationalen Unterschiede im Rapierfechten setzen sich auch in den Fechtbüchern des 18. Jahrhunderts zur höfischen Fechtkunst mit dem Degen fort, der als reine Stoßwaffe, nur noch für das Duell gedacht war.
Zu dieser Zeit beginnt sich, besonders in Deutschland, die Fechtkunst in das reine Stoßfechten und das reine Hiebfechten aufzuspalten.

Das Hiebfechten wird in Deutschland besonders im akademischen Fechten praktiziert während es in der Schottischen Fechtkunst für das Korbschwert, in Osteuropa für den Säbel und auf See für den Entersäbel angewandt wurde.
Da der Säbel als militärische Waffe für den leichten Kavalleristen auch in den Armeen der Westeuropäischen Mächte Einzug fand, und teilweise, in einer leichteren Version auch von Offizieren der Infanterie getragen wurde, kommen zum Ende des 18. Jahrhunderts auch die ersten Fechtbücher auf, die sich speziell mit dieser Waffe beschäftigen.

Im 19. Jahrhundert bleibt die Trennung zwischen dem reinen Stoßfechten, mit dem Florett als Übungswaffe und dem Degen als Duellwaffe, und dem Hiebfechten mit dem Schläger, Säbel und Pallasch weiter bestehen.  
Während das akademische Hiebfechten durch Regeln und Restriktionen immer abstrakter wird, entwickeln sich diverse Stile der militärischen Hiebfechtkunst mit dem Säbel, die uns durch eine Vielzahl von Fechtbüchern und Fechtanweisungen erhalten geblieben sind.

Die Fechtliteratur des 19. Jahrhunderts zeichnet sich dadurch aus, das die Beschreibungen und Anweisungen sehr detailliert und pragmatisch gehalten und uns dadurch wesentlich einfacher zugänglich sind, als die höfische Sprache des 18. Jahrhunderts und die altertümliche Sprache der Fechtbücher aus der Renaissance und dem späten Mittelalter.
Zudem sind besonders die Anweisungen zum Hiebfechten des 19. Jahrhunderts oft sehr einfach und effektiv gehalten, um Ergebnisse in einer möglichst kurzen Ausbildungszeit erzielen zu können, während das Stoßfechten teilweise noch als sehr komplexe Fechtkunst über viele Jahre studiert werden sollte.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts gewann das Bajonett-, oder Gewehrfechten im militärischen Umfeld als weitere Fechtwaffe an Bedeutung, da die Entwicklung der Schusswaffe den Nahkampf zwischen zwei Infanteristen immer wahrscheinlicher machte.
Das Bajonett war dann auch die einzige Fechtwaffe, die im und nach dem ersten Weltkrieg noch militärisch anwendbar blieb, während Florett, Degen und Säbel bereits als Sportwaffen gefochten wurden.
Durch die Regeln, die einen sportlich fairen Wettkampf ermöglichen sollten, verlor Aspekt der Selbstverteidigung in der Fechtkunst mit diesen Waffen an Bedeutung und wurde durch regeloptimiertes Fechten ersetzt.

Militärische Fechtschule mit dem Säbel um 1900 (Fechtstellung ohne Waffe)

Duell mit Rapier und Dolch um 1600

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